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Nachricht vom 27.09.2016


Markteinführung Power-to-Gas – Wirtschaftlichkeit und regulatorische Randbedingungen

Die Expertengruppe Power-to-Gas des Netzwerks Brennstoffzelle und Wasserstoff NRW traf sich am 26.09.2016 bei der Westnetz GmbH in Dortmund zu ihrer 8.Sitzung. 60 Teilnehmer befassten sich anhand von zehn Fachvorträgen mit den drängendsten Fragen der Branche.

Man ist sich einig, dass die Technologie technisch reif ist, aber dass natürlich noch eine Kostendegression durch Industrialisierung und Skaleneffekte erfolgen kann und muss. Es hapert aber vor allem an den regulatorischen Randbedingungen, die den Möglichkeiten zur Sektorkopplung und zur zeitgerechten Einbindung erneuerbaren Stroms aus Wind und Sonne nicht gerecht werden. Die Experten monierten, dass Power-to-Gas-Anlagen fälschlich wie Letztverbraucher behandelt werden, die eine Versorgungssicherheit beanspruchen. Es wurden auch andere Flexibilisierungsoptionen, wie Power-to-Heat und Stromnetzausbau zur Anbindung nordeuropäischer Pumpspeicherpotentiale angesprochen. Starke Fürsprache gab es in diesem Zusammenhang für die Ansicht, dass die Politik technologieneutral möglichst viele Pfade, auf denen erneuerbare Energie in andere Sektoren fließen kann, ermöglichen und  fair bewerten solle, damit sich die wirtschaftlichen in ihren Nischen entfalten können, statt Kontingente zu regeln oder gar Präferenzen festzuschreiben und Zugänge zu verbauen. Insbesondere die Nutzung von grünstrombasiertem Wasserstoff in Raffinerien solle durch Anrechnung auf die Treibhausgasminderungsziele für Kraftstoffe gewürdigt werden. Hier kann die Dampfreformierung aus fossilem Erdgas vermieden und die dafür zugeführte Dampfmenge im Wärmesektor genutzt werden.

Die in der Bundesregierung wie auch in der EU vorherrschende Ansicht, dass über das Netz bezogener Strom per se Graustrom mit einer Treibhausgasintensität entsprechend des nationalen Strom-Mixes sei, wird als eines der wesentlichen Hemmnisse für einen quantitativ nennenswerten PtG-Einsatz gesehen, da dieser eine faire Zertifizierung der Treibhausgasintensität des Produkts erfordert. Nicht der Weg, den der Strom nimmt, ist aber entscheidend für seine Treibhausgasintensität und Systemdienlichkeit, sondern

  • ob  der Zubau-Mengendeckel des EEG entsprechend der sektorübergreifenden Nutzung von Strom angehoben wird,
  • wie eng sich der Strombezug zeitlich am Angebot an der zu integrierenden erneuerbarer Energie aus Wind und Sonne ausrichtet - sei es bei Börsenbezug oder Direktvermarktung - und
  • im Hinblick auf die Lastenverteilung auch, wie kostendeckend ein Strombezieher für diese Energien bezahlt.

Selbst der streng netzdienliche Strombezug – gesteuert von Netzbetreiber zur Vermeidung der sonst zwingend erforderlichen Abregelung von EE-Anlagen – wird heute noch nicht zugelassen, obwohl PtG-Anlagen im Gegensatz zu KWK-Anlagen sogar etwas für den Strom bezahlen könnten.

Die Fachvorträge werden soweit freigegeben ab Donnerstag im internen Bereich abgelegt.