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Nachricht vom 11.04.2016


NRW-Expertengruppe H2-System diskutiert Wasserstoff-Infrastruktur

Die Expertengruppe H2-System des Netzwerks Brennstoffzelle und Wasserstoff tagte unter Leitung von Dr. Bernd Emonts (Forschungszentrum Jülich, IEK-3) am 07.04.2016 in Düsseldorf. Die 33 Teilnehmer befassten sich mit den aktuellen Plänen zum Tankstellenaufbau und einem möglichen Pipelinesystem für die Versorgung von etwa 30 Mio. Pkw in 2050.

Zunächst wurde weit in die mögliche Zukunft geblickt und durch Vanessa Tietze eine Untersuchung des Forschungszentrums Jülich vorgestellt, bei der der technische Aufwand für die Speicherung großer Mengen Windstromüberschüsse in den besonders windreichen Zonen der deutschen Küstenregionen und deren Transport zu gut 10.000 Tankstellen in ganz Deutschland über Pipelines abgeschätzt wurde. Hierbei haben die Forscher ein System bestehend aus einigen wenigen Großerzeugern und erzeugungsnahen Großspeichern und den in die Zentren der kreisfreien Städte und Landkreise führenden Ferntransportleitungen dynamisch simuliert. Dabei wurden zur Pufferung der starken untertägigen Bedarfsschwankung zwei Varianten untersucht: die Pufferung in zentralen Großspeichern, die jedoch nur in der nördlichen Hälfte Deutschlands möglich ist, und die Pufferung an den Tankstellen selbst, die zu einer gleichmäßigen Auslastung der Pipelines führt. Die Pipelines wurden entlang bestehender Gasfernleitungen auf kostengünstigen Routen geführt und so dimensioniert, dass die Tankstellen stets bei einem Druck von mindestens 60 bar versorgt werden, um den dortigen Kompressionsaufwand zu begrenzen. Kavernen wurden bis zu einem Druck von 200 bar befüllt und die Pipelines mit bis zu 95 bar belastet.

Wie Frank Sreball von der H2-Mobility GmbH erläuterte, geht der der Aufbau des Tankstellensystems in Deutschland voran, auch wenn aktuell Schwierigkeiten bei der Standortqualifizierung und der Genehmigung zu Verzögerungen führen. Die H2-Mobility GmbH, die den einschlägig engagierten Mineralölversorgern, Gaslieferanten und Automobilkonzernen gehört, wird die Zahl der Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland bis Ende 2018 auf 100 erhöhen. Damit ist dann bereits jeder Punkt in Deutschland erreichbar. Danach wird man diese Zahl je nach Zunahme der Fahrzeugzahlen bis 2023 auf 400 erhöhen. Eine komfortable Erreichbarkeit wird dabei zunächst nur für die wichtigen Ballungsgebiete angestrebt. Insgesamt wird man dafür 350 Mio. € investieren. Die H2-Mobility ist an der Zusammenarbeit mit Anbietern von grünem Wasserstoff interessiert, denn schließlich muss der angebotene Wasserstoff zu 50 % aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Ein Großteil dessen wird aber vorerst voraussichtlich nicht aus der Windstromelektrolyse kommen sondern – aus Gründen von Verfügbarkeit und kostengünstigen Handhabung – aus reformiertem Biogas. Auch die Nutzung von Reformat aus Erdgas trägt aber bereits zum Klimaschutz bei und ist im Gebrauch 100 % emissionsfrei.


Die Fachvorträge werden im internen Bereich abgelegt.

Kontakt: Dr. Michael Weber, Netzwerk Brennstoffzelle und Wasserstoff NRW

weber(at)energieagentur.nrw