
H2-Tankstelle Hürth mit Sts Dr. Baganz (mitte)

BZ-Fahrzeuge der CEP in Berlin (Quelle:CEP)

H2-Tankstelle in Berlin (Quelle:CEP)
Wasserstofftankstelle in Hürth eröffnet
Am Standort Chemiepark Hürth wurde ein erster Schritt in der Region Köln getätigt, um Wasserstoff aus der Chemie-Industrie als Energieträger für Fahrzeuge nutzbar zu machen. Mit dem Projektstart von ‚Chemergy’ am 07.05.2010 wird praxisnah und zeitsparend eine modulare Tankstelle dort, wo der Wasserstoff anfällt eröffnet.
Die Region Köln verfügt über sieben Industrieanlagen, in denen Wasserstoff als Nebenprodukt erzeugt wird – und zwar in großen Mengen. Zwar nutzt die Industrie diesen Kraftstoff überwiegend selbst, doch rund acht Prozent davon könnten als Energieträger insbesondere für die mobile Nutzung verwendet werden. Damit ließen sich nämlich mehr als 500 Busse oder 40 000 Pkw dauerhaft betreiben. „Es macht deshalb Sinn, mit einem innovativen Projektmodell wie ‚Chemergy’ zu zeigen, dass es lohnt, solche Kraftstoff-Potenziale direkt vor Ort anzubieten“, so Dr. Albrecht Möllmann, Vorsitzender von „HyCologne – Wasserstoff Region Rheinland e.V.“. Nach seiner Überzeugung hat letztlich nur eine solche Infrastruktur der kurzen Wege die Chance, vom Markt angenommen zu werden. Hinzu kommt der Charme dieses abgasfreien Energieträgers, besonders umweltfreundlich und klimaschonend zu sein.
Die Initiative „Chemergy“ mit der Wasserstoff-Tankstelle in Hürth leistet einen weiteren Beitrag zum „NRW Hydrogen HyWay“, der vom Chemiepark Knapsack aus entlang der vorhandenen Wasserstoff-Pipelines nördlich von Köln über Düsseldorf ins Ruhrgebiet weiterführt. „Das Projekt ‚Chemergy’ wird somit einen Meilenstein für den wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Verkehr darstellen, vor allem durch die wettbewerbsfähigen Treibstoffkosten und die günstigen lokalen Gegebenheiten“, betont Ahrens-Salzsieder.
Vom Frühjahr 2010 an sollen zwei Wasserstoffbusse mit Brennstoffzellen-Hybrid-Technik des Typs „Phileas“ ihren Kraftstoffbedarf an dieser modularen Zapfstelle decken. Diese Stadtbusse werden gemeinsam mit der Stadt Amsterdam (ebenfalls zwei Wasserstoff-Busse) von 2010 an im Alltagseinsatz erprobt. Dazu Dr. Ahrens-Salzsieder, Vorstand der Stadtwerke Hürth: „Wir haben keinen missionarischen Anspruch, hoffen aber bei einem erfolgreichen Projektverlauf auch andere Regionen und Betreiber davon überzeugen zu können, dass mit einer solchen Betankungsanlage der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie eine aussichtsreiche Zukunft eröffnet werden kann.“ So soll ab 2011 die jetzt geschaffene erste Stufe einer Infrastruktur modular weiter ausgebaut werden, um größere Fahrzeugflotten zu versorgen. Es ist geplant, eine weitere Wasserstoff-Zapfstelle in unmittelbarer Nähe zum Betriebshof der Busse zu installieren und auch weitere Tankstellen in der Region Köln aufzustellen. Diese sollen, sofern ausreichend Fahrzeuge am Markt verfügbar sind, dann mit Industrie-Wasserstoff versorgt werden, der deutlich preiswerter ist als Wasserstoff aus anderen Quellen.
Partner im „Chemergy“-Projekt sind die Stadtwerke Hürth AöR als Auftraggeber sowie die Air Products Deutschland GmbH, die InfraServ GmbH & Co. Knapsack KG, IGH2 – InnovationsGesellschaft Wasserstoff mbH und Praxair Deutschland GmbH & Co. KG. Für die Organisation zeichnet HyCologne – Wasserstoff Region Rheinland verantwortlich.
Wasserstofftankstelle in Berlin eröffnet
Im Vorfeld der World Hydrogen Energy Conference (WHEC) in Essen setzt die Clean Energy Partnership (CEP), ein Zusammenschluss dreizehn globaler Konzerne, ein wichtiges Zeichen. Die Partner Linde, Statoil und TOTAL sorgen mit der Eröffnung der H2-Tankstelle Holzmarktstraße in Berlin am 12.05.2010 für eine Erweiterung der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland. Die Einweihung der Wasserstofftankstelle ist gleichzeitig der Startschuss zu einer Rallye mit CEP-Wasserstofffahrzeugen. Schwerpunkte bilden die Infrastrukturstandorte Berlin, Stolpe (H2-Tankstelle in Planung) und Hamburg (Baubeginn der größten Wasserstofftankstelle Europas durch Vattenfall in der Hamburger HafenCity).
Außen Kraftstoff, innen High Tech – optimale Voraussetzungen für die langfristige Versorgung der über 40 PKW sowie der Busse des ÖPNV, die derzeit innerhalb der CEP getestet werden. Wasserstoff wird an der neuen TOTAL Tankstelle Holzmarktstraße sowohl flüssig als auch gasförmig mittels 350 bar und 700 bar Zapfsäulen angeboten. Damit ist die CEP das erste Projekt in Europa, welches von Anfang an eine Anpassung an internationale Standards anstrebt – ein wichtiger Schritt in Richtung weltweit vereinheitlichter H2- Versorgung.
Statoil produziert vor Ort gasförmigen Wasserstoff mittels Elektrolyse. Der hierfür benötigte Strom ist grün zertifiziert und stammt somit aus erneuerbaren Energien. Der Elektrolyseur ist eine Weltneuheit und kann sehr schnell und flexibel herauf- und heruntergefahren werden. Somit wird er auch den Leistungsprofilen von Windkraftanlagen gerecht. Modernste Betankung. Das Betankungssystem für gasförmigen Wasserstoff einschließlich der unterirdischen Speicherungsanlage wurde ebenfalls von Statoil entwickelt und basiert auf neuesten Erkenntnissen. Erstmals wird hier Wasserstoff bei hohem Druck (bis zu 1000bar) unterirdisch Platz sparend und sicher gespeichert. Das Betankungssystem kommuniziert sowohl mit der Speicheranlage als auch mit dem Tank des zu befüllenden Fahrzeugs und erzeugt den jeweils erforderlichen Druck.
Linde liefert Flüssigwasserstoff aus Deutschlands einziger industrieller Wasserstoff-verflüssigungsanlage in Leuna. Der dort produzierte Wasserstoff wird ab Herbst 2010 zum Teil aus Glycerin, einem Nebenprodukt bei der Biodieselherstellung, nachhaltig hergestellt. Der per Tanklaster angelieferte Wasserstoff wird ohne Nachkühlung in einem von Linde entwickelten, superisolierten Tank gespeichert. Die Betankung erfolgt mittels einer vollautomatischen Automotive Kupplung mit mechanischer Handhabungshilfe – schnell und benutzerfreundlich.
Ein technisches Highlight der Anlage ist ein Mini-Blockheizkraftwerk, das den überschüssigen gasförmigen Wasserstoff verwertet, um so die Tankstelle mit Energie und Wärme zu versorgen. Darüber hinaus liefern eine Photovoltaikanlage sowie Windtürme vor Ort Energie. Bauherr und Tankstellenbetreiber TOTAL ist Lieferant der Flüssigwasserstoffinfrastruktur sowie des Blockheizkraftwerkes.
Die Anlage ist ein wichtiger Bestandteil innerhalb der kontinuierlichen Erweiterung einer Wasserstoffinfrastruktur. Vier weitere H2-Tankstellen in Hamburg und Berlin sowie an der A24 sind innerhalb des Projektes CEP bereits in Planung.
Die Clean Energy Partnership – ein Zusammenschluss von dreizehn führenden Unternehmen – hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wasserstoff als Kraftstoff der Zukunft zu etablieren. Mit den Berliner Verkehrsbetrieben BVG, BMW, Daimler, Ford, GM/Opel, der Hamburger Hochbahn, Linde, Shell, Statoil, TOTAL, Toyota, Vattenfall Europe und Volkswagen beteiligen sich Technologie-, Mineralöl- und Energiekonzerne, Unternehmen des ÖPNV sowie die Mehrzahl der deutschen Automobilhersteller an dem wegweisenden Zukunftsprojekt. Seit 2008 wird die CEP durch das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) gefördert.
Quelle: www.hycologne.de und www.cleanenergypartnership.de